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Katharina Arrigoni: Die digitale Seite der Brotkunst

Sie hat schon viele Bäckereien betreten, allerdings nicht deren Herzstück, die Backstube. Auch würde sie sich selbst keinesfalls als Bäckerin bezeichnen. Schon deshalb nicht, weil sie niemals eine Bäckerlehre absolviert hat. Und dennoch gehört ihre ganze Leidenschaft dem Backen und Verbloggen von Brot.

Frisches Brot wird auf einem bulthaup Brotschneidebrett aufgeschnitten.

Besessen vom perfekten Brot

Die Aargauerin Katharina Arrigoni inszeniert Brot als Kunstobjekte und begeistert mit ihrem Blog „BesondersGut“ Backbegeisterte weit über die Schweizer Landesgrenzen hinaus. Zusätzlich betreibt die Mutter dreier Kinder einen Onlineshop für Brotbackhilfsmittel und schreibt eigene Bücher. „Ich bin besessen davon, das perfekte Brot zu backen und es fotografisch so in Szene zu setzen, dass es den Betrachter emotional berührt.“ Ihre „Besessenheit“, vor allem aber ihr Können und ihre Kreativität gibt Arrigoni darüber hinaus in verschiedenen Backkursen an Lernwillige weiter: „Meine Arbeit hat etwas sehr Intimes – ich lasse sowohl den Zuschauer als auch die Kursteilnehmer in meine Welt voller Düfte, Stimmungen und Emotionen eintauchen.“

Katharina Arrigoni inszeniert Brot als Kunstobjekte und begeistert mit ihrem Blog „BesondersGut“ Backbegeisterte
Frischer Brotteig, der zu einem von Katharina Arrigonis Kunstwerken verarbeitet wird.

Höre auf Deine innere Stimme und folge Deinen Träumen

Dabei führte ihr beruflicher Werdegang sie zunächst in eine eher kopflastige Branche: Als Projektleiterin für Werbung begutachtete und begleitete sie zahlreiche Kampagnen und hatte dennoch stets das Gefühl, auf der falschen Seite zu stehen: „Ich war immer schon fasziniert von kreativen Menschen, aber es hat lange gebraucht, bis ich endlich den Mut hatte, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen und meinen Träumen zu folgen.“ Erst ein schwerer Schicksalsschlag rüttelte sie mit 43 Jahren wach und wurde so zum Wendepunkt ihres Lebens: „Plötzlich wurde mir klar, dass es nur noch einen Weg für mich gibt: Auf meine innere Stimme zu hören und meine Kreativität hemmungslos auszuleben.“ Da das Thema Brot sie schon lange faszinierte, begann die Schweizerin, sich näher damit auseinanderzusetzen. Sie las sich quer durch die amerikanische Landschaft der Brotblog-Foren und eignete sich so erstes Grundwissen an. Ihr Marketing-Background und unternehmerisches Know-how halfen der Quereinsteigerin beim Schritt in die Selbstständigkeit sehr: „Ich bin einfach meinem Instinkt gefolgt, habe meine Backleidenschaft mit meiner zweiten Passion Fotografie kombiniert und damit wohl den Nerv der Zeit getroffen.“

Brotteig wird zu einem kunstvollen Zopf geformt.
Fertiggeformter Brotzopf, der darauf wartet gebacken zu werden.

Die Kunst liegt in der Erfahrung

Noch heute backt Katharina Arrigoni all ihre Brote in ihrem simplen Haushaltsbackofen. Und auch nur, um sie zu fotografieren, oder um sie ihren Kursteilnehmern zur Verkostung anzubieten. Die Rezepte entwickelt sie selbst und berechnet die Mengenangaben grammgenau anhand einer Excel-Tabelle. Ihre Spezialität sind reine Sauerteigbrote sowie Brote mit wenig Hefe und langer Teigführung. Wer sich allerdings mit einem „guten“ Brot nicht zufriedengibt, dem empfiehlt Arrigoni ein und dasselbe Rezept viele Male hintereinander zu backen und ein „Brot-Tagebuch“ zu führen. „Die eigentliche Kunst am Brotbacken ist das Gespür zu entwickeln, wann welcher Teig bereit ist, um gebacken zu werden. Deshalb verlangt ein perfektes Brot auch einiges an Erfahrung.“ Bescheiden fügt sie hinzu: „Ich bin Autodidaktin und empfinde mich als Teil meiner Zielgruppe. Ich habe nur einen Vorsprung an Erfahrung und kann diesen offenbar gut vermitteln.“

Privat lässt sich die 47-Jährige gerne auch mal von ihrem Sohn bekochen, der ein ambitionierter Jungkoch ist. Er teilt Arrigonis Leidenschaft für gute, hochwertige Lebensmittel, die Begeisterung für das Brotbacken hingegen haben weder er noch seine beiden Schwestern geerbt: „Leider sind meine Kinder keine allzu großen Brot-Fans. Zumindest nicht in dem Maße, wie man vielleicht annehmen könnte“, offenbart die Brotbloggerin schmunzelnd. Überhaupt begegnen sie der Passion ihrer Mutter eher mit entspannter Gelassenheit. „Nur eines finden sie richtig super“, lacht Katharina Arrigoni, „nämlich, dass ihre Mama mittlerweile ein echter Instagram-Crack ist.“

Frisches aufgeschnittenes Brot auf einem bulthaup Brotschneidbrett.
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